Es dürfte nach vielen Jahrzehnten mehr oder minder klar sein, bei den sog. Sexualstraftaten handelt es sich überwiegend um Gewaltstraftaten. Der Gesetzgeber lässt kein Interesse erkennen, die sog. Sexualstraftaten als Extra-Abschnitt im Strafgesetzbuch aufzulösen und in Straftaten gegen das Leben zu integrieren. Dies wäre aber ein guter Schritt bzw. eine gute Maßnahme, die Sexualstraftaten aus dem Bereich der Sexualität herauszunehmen bzw. hier genauer zu differenzieren und zu unterscheiden.

Es würde sehr wahrscheinlich auch dazu führen, dass Richter und Richterinnen nicht zu der Auffassung gelangen, es müsse ein Sexualmediziner beauftragt werden, wenn es um die Begutachtung eines sog. Sexualstraftäters gehe. Meist wird im Vorwege sehr deutlich, es hat mit Sexualität wenig zu tun, vielleicht mit gehemmter Sexualität, ausgedrückt in Gewalt und dem Versuch, sich selbst zu bestätigen. Dieses ist aber nach den gängigen diagnostischen Manualen keine Paraphilie. An den aktuellen Erkenntnissen angepasste Maßnahmen würde ggf. weiter dazu führen, dass sich sog. Sexualberatungsstellen zu ihrer eigentlichen Arbeit bekennen, nämlich sie behandeln häufig Gewaltstraftäter, obwohl sie auf der Suche nach der sexuellen Devianz sind und ihre Arbeit im schlechtesten Fall von dieser Annahme leiten lassen.

Es hätten im besten Fall zur Folge, dass sog. Sexualstraftäter im Vollzug sich nicht mehr mit Gewaltstraftäter arrangieren müssen. Für Geschädigte würde die Tat von ihrer Sexualität, ihrer Identität als Frau entkoppelt werden können, was es nicht weniger belastend macht. Eine interessante Fragestellung?

Lil Marlen, Flensburg

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