kn-online (16.06.2017): Die Angst vor dem Zufall – Wir Risikomanager

Nichts, was vor uns liegt, soll dem Zufall überlassen bleiben: Die Polizei versucht sich an der Vorhersage von Verbrechen, und Gentests verraten, welche Krankheiten wir im Lauf eines Lebens bekommen werden. Der einst der Natur unterworfene Mensch sichert sich heutzutage rundum ab – und schafft damit neue Risiken.

Hannover. Früher waren Prophezeiungen vor allem das Geschäft der Wahrsager auf den Jahrmärkten. Heute treffen Algorithmen die Zukunftsprognosen. Im Predictive Policing, der Big-Data-gestützten Verbrechensvorhersage, nimmt bereits Gestalt an, was der Science-Fiction-Thriller “Minority Report“ 2002 noch als unendlich ferne Zukunftsvision schildert: Polizisten, die schneller sind als das Verbrechen.

Auch in Deutschland wird Predictive Policing erprobt, vor allem zur Verhütung von Einbruchskriminalität. Denn Einbrecher sind leicht zu durchschauen: Sie sind zumeist Serientäter, haben ein Tatmuster und probieren es oft mehrfach in derselben Gegend. Der Algorithmus analysiert Zehntausende Fälle und gewinnt so Aufschlüsse über Täter und Tatmuster, über besonders gefährdete Gebiete und Faktoren, die Einbruchsdelikte begünstigen. Im besten Fall wird der Einbrecher eines Tages tatsächlich schon in jenem Moment, in dem er seinen Dietrich zückt, von herannahendem Blaulicht in die Flucht geschlagen – oder er hat angesichts der immer gewiefter werdenden Ordnungshüter ohnehin schon längst eine bürgerliche Karriere eingeschlagen.

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