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Thema

 

Bietet der Rechtsstaat in Deutschland durch sein Strafrecht seinen Bürgerinnen und Bürgern ein hohes Maß an Sicherheit und Lebensqualität? Ist durch Strafvollzug eine sozial gerechte Konfliktlösung zu erreichen, die nachhaltig wirkt? Ist eine Verbesserung des Strafrechts überhaupt zielführend oder muss nicht viel eher ein Ersatz für das Strafrecht gesucht werden das verantwortliches und konstruktives Handeln aller Beteiligten fördert und damit zu einer sozialen, das eigene Tun reflektierenden Gesellschaft beiträgt?

 

Bernd Maelicke fordert mit seiner persönlichen Zwischenbilanz eine differenzierte Auseinandersetzung zum Thema „Wegsperren oder resozialisieren?“.

»Menschen wegzusperren ist einfach. 

Und führt meistens zu nichts.« Bernd Maelicke

 

 

Der deutsche Strafvollzug ist teuer und weitgehend erfolglos: Jedes Jahr werden in Deutschland ungefähr fünfzigtausend Menschen aus den Gefängnissen entlassen, das entspricht der Einwohnerzahl einer Stadt wie Passau. Mehr als die Hälfte von ihnen hat leichtere oder mittelschwere Straftaten begangen, fast ein Drittel ist gefährlich oder schwer kriminell. Weil die meisten Entlassenen wieder rückfällig werden, ist der deutsche Strafvollzug ein »Drehtürvollzug«, der jährlich bundesweit rund 4,5 Milliarden Euro kostet.

In diesem Buch berichten die Autoren über das erfolgreiche RESI-Modellprojekt in Köln, wo in den Jahren 2009 bis 2012 in einem Trägerverbund durch eine individuelle Intensiv-Betreuung von 24 straffällig gewordenen Kölner Jugendlichen die Rückfallquoten nach Feststellungen der wissenschaftlichen Begleitung auf 13 % abgesenkt werden konnten. Die laufenden Projektkosten betrugen ein Fünftel vergleichbarer Kosten des Strafvollzugs.

Hans-Joachim Plewig stellt zusammenfassend unter der Perspektive der Nachhaltigkeit die Erkenntnisse dar, die durch das RESI-Projekt gewonnen werden konnten. Knapp 4 Jahre nach Beendigung des Projekts liefern Anne Rossenbach und Monica Wunsch eine Nachbetrachtung aus der Sicht der Praxis. Bernd Maelicke weist erneut in seinem Beitrag „Wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen“ auf die strukturellen Mängel und Schwächen des Systems der Resozialisierung hin. Anja Katzmarzik berichtet von Ihrer Begleitung eines Jugendlichen Strafgefangenen vor und nach seiner Entlassung aus der Jugendanstalt. Dieser thematische RESI-Schwerpunkt wird ergänzt durch eine aktuelle Stellungnahme des Leiters des Kriminologischen Dienstes des Landes Nordrhein-Westfalen.

Trotz dieser bundesweit einmaligen Erfolgsquote musste das Projekt beendet werden und wurde somit zum Aufgeben gezwungen. Eine Fortführung und Verbreitung des Modells ist angesichts der aktuellen Sicherheits- und Integrationsproblematik unbedingt erforderlich.

 

Das Buch ist erhältlich über den DBH. Weiter zur Homepage des DBH

Den Vortrag "Komplexleistung Resozialisierung - Im Verbund zum Erfolg" finden sie unter dem unten stehenden Link als Download.

 

Download: Vortrag "Komplexleistung Resozialisierung"

Den Beitrag von Bernd Maelicke zum Thema "Forschung und Entwicklung im deutschen Strafvollzug" finden Sie hier: Download

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